SELECT breite, laenge FROM arc2008 WHERE breite IS NOT NULL AND breite > '' ORDER BY date DESC LIMIT 1


"Viel zu spät begreifen viele
die versäumten Lebensziele:
Freude, Schönheit der Natur,
Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise!
Höchste Zeit ist´s: Reise, reise!"

Wilhelm Busch (1832-1908)

Ansichten einer Frau

Thu 04.12.2008 11:05
N / W

Ich wache auf und bemerke, daß es draußen bereits hell ist. Mist, ich hab mal wieder meine Nachtwache verschlafen... Es könnte mich ja auch ruhig mal jemand wecken! Aber wahrscheinlich ist es ihnen egal ob ich an Deck oder in meiner Koje schlafe. Verständlich. Ich nehme mir fest vor meine heutige Nachtwache nicht schlafend zu verbringen. Ich stehe also auf und sehe, daß der Frühstücktisch gedeckt ist, was bei den heutigen Windverhältnissen möglich ist. Durch die Antirutschmatten, die unseren Tisch zieren, rutschen zwar bei Schräglage die Teller nicht weg, möglicherweise aber das, was sich darauf befindet. Gläser und Tassen kippen schon früher um. Nach dem Frühstück begebe ich mich zum Sonnenbaden mit Sonnencreme und Handtuch bewaffnet aufs Vorschiff. Herrlich. Doch irgendwann wird es dann wirklich zu heiß, da der Wind auch mal wieder Pause macht. Wir dümpeln auf dem Atlantik hin und her und ich würde am liebsten eine Runde schwimmen, aber das geht natürlich nicht, wenn man an einer Regatta teilnimmt. Ich könnte mich ja wenigstens an die Badeleiter hängen und mich hinterherziehen lassen, aber das bremst sicherlich zu viel. Ich machs einfach. Ohne Ankündigung. Ich binde die Badeleiter los, lasse sie ins Wasser fallen und steige schnell über die Reling bevor mich einer aufhalten kann. Da die Carpe Diem so langsam ist lasse ich mutig die Leiter los und schwimme, sogar etwas schneller!, neben ihr her, was ich auch lauthals verkünde. Aber auch nur, falls doch eine unerwartete Böe kommt und keiner mitbekommt, daß ich nicht mehr an Bord bin. Plötzlich fällt mir der Wal ein, der mir vor ein paar Tagen am einen gewaltigen Schrecken einjagte, als er prustend neben dem Schiff auftauchte. Schnell entscheide ich, daß es wohl doch besser ist die Reise auf statt neben dem Schiff fortzusetzen. Unter Deck muß ich leider feststellen, daß der Platz vor dem PC mal wieder besetzt ist und ich keine E-Mails schreiben kann. Papa und Falko starren wie immer gebannt auf irgendwelche Wetterdateien, die angeblich jedesmal schlecht sind. Versteh ich nicht. Einen schlechten Film schau ich mir doch nicht auch gleich nochmal an, oder? Oder versuchen sie die Wetterdateien mit Hilfe von Telekinese zu verändern so wie Uri Geller die Form eines Löffels? Das wäre immerhin eine Erklärung. So langsam komme ich mir auf diesem Schiff so richtig überflüssig vor, da Heinz mitlerweile so sensationell kocht (ich finde er hat den goldenen Kochlöffel verdient), traue ich mich noch nicht mal mehr an den Herd. Meine einzigen Aufgaben bestehen derzeit aus dem Filmen der größeren Manöver aus der hintersten Ecke des Schiffes und dem Verteilen von Sonnencreme auf diverse Körperstellen, weil man(n) doch gerade unmöglich die Hände von der Spischot und der Winschkurbel nehmen kann. Der Spi könnte einfallen. Und der rechte Unterarm verbrennt gerade. Fatal! Ich lege mich direkt nach dem Abendessen ins Bett, um für meine Wache um 3 Uhr fit zu sein Diesmal werde ich sogar geweckt und ich schmeiße mich in Schale. Da Magier Falko mal wieder starren muß, darf ich ans Steuer. Beeindruckt von all den Wetterleuchten, Sternschnuppen und Sternbildern um mich herum segle ich durch die Nacht. Ob wir uns überhaupt von der Stelle bewegen, es sieht immer gleich um uns herum aus?! Wenn nicht jeden Tag die Sonne etwas später untergehen würde, würde ich unserer Vorankommen stark bezweifeln. Im Dunkeln wirkt das Ganze eher wie eine Szene im Film. Gleich stoße ich mit dem Bugsprit durch die Kulisse, das Licht geht an und die Stimme des Regisseurs ertönt... Was in den nächsten Tagen noch geschehen wird, weiß ich nicht. Aber ich weiß, wenn wir St.Lucia erreicht haben (auch wenn wir nicht unter den ersten sein werden), werde ich eine vermutlich einmalige Reise hinter mir haben, auf der ich einiges erleben durfte, was ich so schnell nicht wieder vergessen werde! Carpe Diem! Nike